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Karneval der Kulturen Berlin - Pfingstwochenende

Berlins buntestes Fest!

Dietrich Kollöffel liebt Brasilien, die Kulturen, das Temperament und die Musik. Der Bossanova-Fan und Inhaber einer Tanzschule hat das ganze Jahr über Auftritte mit seiner Percussion-Band, doch  der Höhepunkt ist für ihn seit zehn Jahren das Pfingstwochenende: Mit der Sambagruppe "Sapucaiu no Samba", bestehend aus 100 Musikern und Tänzern, tritt er beim Karneval der Kulturen an. Der fröhlich-bunte Umzug mit etwa 70 Wagen und fast 100 Tanz- und Musikgruppen zieht seit 1996 jährlich durch die Stadt und ist Berlins bunteste Party.Im vergangenen Jahr begleiteten 700.000 Zuschauer die 4.700 Tänzer und Musiker am Straßenrand. Und Dietrich Kollöffel ist immer mittendrin. Mit dem traditionellen Karneval im Februar, der die Menschen am Rhein zum schunkeln bringt, hat der Umzug wenig zu tun. Der Berliner Karneval erinnert schon eher an die farbenfrohen Umzüge in Rio de Janeiro. "Umzugsgruppen mit karibischen oder brasilianischen Background sind zahlenmäßig sehr gut vertreten, Kulturen also, in denen Umzüge traditionell zur gemeinsam gelebten Kulturpraxis gehören", sagt Stefanie Schatte von der Werkstatt der Kulturen, die den Karneval organisiert. Es sind aber auch Gruppen aus Polynesien und Polen, Togo und der Türkei dabei. Und natürlich Berliner Eingeborene, die versuchen, bei heißen lateinamerikanischen Rythmen nicht aus dem Takt zu geraten."Für mich ist der Karneval ein Forum für eine internationale Stadt", sagt Dietrich Kollöffel."Er setzt ein Zeichen für Integration."

Zum Karneval gehört neben dem Umzug ein Straßenfest, das unweit der Umzugsstrecke am Halleschen Tor gefeiert wird. Auf vier Bühnen spielen Bands orientalische, karibische oder Osteuropäische Musik, dazwischen gibt es Stände mit internationalem Essen, Spielen, Kleidung und Kunsthandwerk und Caipirinha-Bars soweit das Auge blickt. Der brasilianische Cocktail aus zerstampften Limetten, Rohrzucker und Pitú ist das Standardgetränk des Karnevals, ihn gibt es auch entlang der Umzugsstrecke an jeder Ecke. Den besten Blick auf den Umzug haben die Anwohner der Strecke, die vom Hermannplatz im Stadtteil Neukölln bis in die Yorkstraße in Kreuzberg führt. Allerdings feiert es sich am besten mittendrin. Die beste Stimmung herrscht zwischen Südstern und Mehringdamm, entsprechend groß ist das Gedränge. Etwas ruhiger ist es auf dem ersten Viertel der Strecke, zwischen Hermannplatz und Südstern, und auf dem letzten Abschnitt hinter dem Mehringdamm. Auch die umliegenden Bars und Geschäfte sind vom Karneval-Virus infiziert, verkaufen Getränke vor der Tür und Spielen eigene Musik. Viele Musikclubs und Bars haben an diesem Wochenende Live-Bands mit Worldmusic zu Gast.

Für die Umzugsteilnehmer wie Dietrich Kollöffel und "Sapucaiu no Samba" ist die VIP-Tribühne am Südstern die wichtigste Station. Dort sitzt eine achtköpfige Jury, die alle Gruppen begutachtet. Ausgezeichnet werden drei Gruppen für die Gesamtformation. Daneben gibt es mehrere Sonderpreise etwa für den schönsten Wagen. "Sapucaiu no Samba" ist regelmäßig unter den Gewinnern. "Wir haben in jedem Jahr neue Kostüme und sind gut organisiert, sodass die Performance gut gelingt", sagt Kollöffel.

Die Idee für den Karneval kam in der Werkstatt der Kulturen Mitte der Neunziger Jahre auf. Mit einem bunten Fest wollte die Institution, die Kunst, Kultur und Vereinsarbeit von Einwanderern in Berlin fördert, in der deutschen Hauptstadt ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Der Karneval sollte die Internationalität Berlins und die kulturelle Vielfalt erlebbar machen. Vorbilder waren Feste wie der New Yorker "West Indian American Day Parade and Carnival". Diese traditionsreicheren Feste, mit bis zu drei Millionen Besuchern in New York, sind noch etwas größer als der Berliner Karneval. Aber mit bis zu 900.000 Besuchern zählt die Party in Berlin zu den größten in Europa.

Es ist kein Zufall, dass der Karneval seit 1996 in Kreuzberg und Neukölln stattfindet. Die Bezirke haben mit 35 beziehungsweise 40 Prozent einen besonders hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, und die Gegend, in der der Umzug stattfindet, gilt als Heimat vieler Kreativer. Zwar ist der Himmel über Berlin im Mai nicht immer zuverlässig blau, aber schlechtes Wetter war bislang nie ein Grund, den Karneval ausfallen zu lassen. Sollte es doch mal regnen, sind Regenjacken mit Kapuzen besser als Schirme, um anderen Gästen nicht die Sicht zu versperren. So lässt es sich auch besser tanzen. Und was braucht man sonst noch? "Das geeigentet Equipment besteht aus Neugier, Begeisterungsfähigkeit und guter Laune", sagt Stefanie Schatte. " Nur so kann man sich auf neuentdecktes einlassen und etwas mit nach Hause nehmen, das noch lange positiv nachwirkt. Und wer seine Begeisterung entlang der Strecke durch Freudenrufe, Tanzen und Lachen ausdrückt, gibt so den Teilnehmern wieder etwas zurück, die diesen Umzug zu einem ganz besonderem Geschenk für Alle machen."

 

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